Januar 2001 / Wettbewerb "Banane"
Als ein wesentliches Teilziel der seit Ende der 90er Jahre laufenden Bemühungen in Sachen Ortsbildverbesserung wurde die Aufwertung des Erscheinungsbildes der Sihltalstrasse als Visitenkarte Langnaus genannt. Eine Neugestaltung des Gebiets zwischen Strasse und Sihl könnte aus verschiedenen Gründen zu einem regionalen Zentrum mit überörtlicher Attraktivität führen. Die charakteristische schmale und gekrümmte Grundrissform führte zur aussergewöhnlichen Namensgebung dieses Areals ("Banane"). Studienauftrag Aufgrund dieser Zielvorstellungen legte der Gemeinderat die nächsten konkreten Planungsschritte fest. Zur Erlangung von Lösungsvorschlägen zur zukünftigen Entwicklung des Siedlungsgebietes Sihltalstrasse Ost und einer optischen Aufwertung der Strassenraumes entschied sich der Gemeinderat für einen Studienauftrag mit drei Architektur- und Planungsbüros. Mit der Organisation und Durchführung beauftragte der Gemeinderat wiederum das IGGZ. Zur Selektion von drei Teams wurde ein Präqualifikationsverfahren durchgeführt. Die Gemeinde hat neben allen Langnauer Büros einige ausgewählte und städtebaulich erfahrene Architektur- und Planungsbüros zur Bewerbung eingeladen. Aufgrund der eingereichten Unterlagen wählte die Planungskommission ein Langnauer Team sowie zwei auswärtige Planteams aus, gegen ein angemessenes Honorar konzeptionelle Vorschläge zur Zukunft der „Banane“ zu erarbeiten. Die Teilnehmer mussten je einen Plan zu den einzelnen Aspekten Verkehr, Bebauung, Nutzungen sowie zur zukünftigen baurechtlichen Umsetzung ihrer Ideen abgeben. Das Spektrum der eingereichten Lösungsansätze war zur Zufriedenheit des Veranstalters gross. Alle drei Projektverfasser verzichteten aber auf eine weitere Überbauung in der Sihlmatte und schlagen stattdessen eine Freihaltezone im nördlichen Teil des Wettbewerbsperimeters vor. Für die Jurierung der Ergebnisse wurden weitere Fachexperten beigezogen, welche als Professoren für Architektur und Städtebau an der technischen Hochschule in Winterthur beziehungsweise an der ETH Zürich tätig sind. Vertreter des Kantons wurden als Spezialisten zu einzelnen Sachfragen wie Verkehr, Gewässer und Denkmalpflege ebenfalls vor der Jurierung angehört. Die Jury beschloss einstimmig das Projekt mit dem Kennwort "LaA an der Sihl" (Verfasser Herczog, Hubeli und Comalini) zur Weiterbearbeitung zu empfehlen. Dieses Projekt stellt eine gelungene Synthese zwischen Bewährtem und Innovation dar. Siegerprojekt "LaA an der Sihl" Der Projektvorschlag sieht das grösste Entwicklungspotenzial Langnaus im Bahnhof- und Spinnereiareal. Die bestehende Erschliessung für den privaten und öffentlichen Verkehr führt zu einer Konzentration der vorgeschlagenen Neubauten in diesem Gebiet. Dadurch werden die vorhandenen infrastrukturellen Ressourcen optimal ausgeschöpft. Als Verkehrslösung für den Bahnhofsplatz schlagen die Projektverfasser eine mit einem einheitlichen Bodenbelag ausgestattete Verkehrs- und Aufenthaltsfläche vor, welche mit Hilfe zusätzlicher gestalterischer Massnahmen wie z.B. einem Mittelstreifen für Fussgänger allen Verkehrsteilnehmern eine gleichberechtigte Nutzung dieses Platzes erlaubt (Koexistenzfläche). Der Bahnhofsplatz wird durch Neubauten räumlich neu definiert. Der nördliche Abschluss des Platzes wird durch einen winkelförmigen Neubau sichergestellt. Ein neuer SZU-Bahnhof sowie ein zweiter länglicher Baukörper definieren den Bahnhofsplatz auf der Ostseite. Dadurch bekommt der neue Bahnhofplatz eine angemessene Dimensionierung. Punktuelle Durchblicke schaffen eine optische und räumliche Beziehung zum dahinterliegenden Spinnereiareal. Im Süden des unter kantonalem Denkmalschutz stehenden Ensembles der Spinnerei schlagen die Projektverfasser eine Weiterentwicklung der vorhandenen dichten Bebauungsstrukturen mit einer durchmischten Nutzung (Gewerbe/Lofts/neues Wohnen) vor. Entlang der Sihltalstrasse ist ein schrittweiser Ersatz der vorhandenen Bausubstanz auf der Basis der bestehenden offenen Bebauungsstruktur vorgesehen. Im Norden des Spinnereiareals verzichtet der Projektvorschlag auf weitere Bauten. Statt dessen schlagen sie an diesem Standort eine Bio-Badi vor, welche durch den Dorfbach gespiesen werden soll. Die Biobadi besteht aus mehreren Becken zur Wasseraufbereitung und zum Baden. Das Wasser wird anschliessend in die Sihl geleitet. Im Vergleich zu konventionellen Badesystemen sind die Aufwendungen für Installation und Unterhalt bedeutend kleiner. Die Sihlmatte soll zur naturnahen Freizeit-Allmend mit einem flexiblen Angebot an Freizeiteinrichtungen, Sport und Aktionsflächen umgestaltet werden. Zu diesem Zweck müssten bestehende Bauten entfernt werden. Mit Ausnahme einer Reihe parallel zur Sihltalstrase angeordneter, kleinmassstäblicher Pavillons als Infrastruktur für die Sport- und Freizeitanlagen soll dieses Gebiet in Zukunft frei von Bauten bleiben. Januar 2001 Berichterstattung im Sihltaler Neues im Niemandsland «Banane» Langnau: Die Vergabe der Aufträge für den Gestaltungswettbewerb entlang der Sihltalstrasse ist erfolgt Das Thema Ortsbildverbesserung Langnau bekommt so langsam ein Gesicht. Der Wettbewerb für die Gestaltungsvorschläge des Gebietes entlang der Sihltalstrasse wurde ausgeschrieben. Drei qualifizierte Teams haben entsprechende Aufträge erhalten. Die Gemeinde Langnau unterzieht sich einer Schönheitsoperation. Vor allem das Zentrum rund um die Neue Dorfstrasse und das Gebiet zwischen der Sihltalstrasse und der Sihl vom Gartendörfli bis zur Gattikonerbrücke, kurz «Banane» genannt, haben dringend ein Facelifting nötig. Das Ortsbild soll beispielsweise durch Verkehrsberuhigung, Durchgrünung oder Schaffen eines Dorfplatzes mit Läden aufgewertet werden. Zu schnell ins Dorf Seit dem letzten Sihltaler-Bericht vom 30. September hat der Gemeinderat beim Regierungsrat die Festsetzung von zwei Planungszonen beantragt, die inzwischen genehmigt wurden. Für die Planungszone 1, das Gebiet rund um die Neue Dorfstrasse, hat der Gemeinderat dem Technikum Luzern, und nicht wie aufgrund eines Irrtums mitgeteilt worden ist dem Technikum Rapperswil, einen Gestaltungsauftrag erteilt, und zwar als Semesterarbeit für das Sommersemester 2001. Eine Klasse im höheren Semester wird sich dann in erster Linie mit der Zentrumsbildung und Massnahmen im öffentlichen Raum beschäftigen. Die Fussgänger sollen einen höheren Stellenwert bekommen. «Ausserdem möchten wir den Leuten, die mit dem Auto nach Langnau gelangen, schon viel früher klar machen, dass sie sich in einem Dorf befinden», sagt Gemeinderat Thomas Oetiker. Vor allem im Bereich Schwerzi und im Dorfzentrum wolle man solche Signale setzen. Autos, die vom Unteralbis her die Schwerzistrasse hinunter ins Dorf fahren, hätten oftmals nämlich ein viel zu hohes Tempo, was auf die extreme Breite der Strasse zurückzuführen sei, so Oetiker. Hier könnte er sich durchaus vorstellen, dass mit einfachen verkehrsberuhigenden Mitteln die Geschwindigkeit gedrosselt werde. Aus der Umfrage in der Bevölkerung hat sich zudem deutlich der Wunsch nach einem Dorfplatz und der Lösung der Parkplatzfrage herauskristallisiert. Wohnen und Gewerbe kombinieren In der Planungszone 2, die bei der Gattikonerbrücke anfängt und bis zum Gartendörfli bei der SZU-Haltestelle Wildpark reicht, möchte der Gemeinderat im Gebiet zwischen Sihltalstrasse und Sihl ebenfalls einige Veränderungen vornehmen. «Das Gebiet soll nicht länger ein praktisch von Langnau abgeschnittenes Niemandsland von minderer Qualität sein», sagt Hochbauvorstand Thomas Oetiker. Wohnen und Gewerbe möchte man besser kombinieren. Der Bereich der Spinnerei stehe zwar unter Denkmalschutz, aber es gäbe durchaus Bereiche, mit denen sich etwas machen liesse. Ausserdem hat es kurz vor der Brücke nach Gattikon, gegenüber der Abstellgleise der SZU eine brachliegende Stelle. Dort, wo jetzt Bauschutt entsorgt wird, könnten in ein paar Jahren vielleicht schon Häuser stehen. Dieselbe Situation stellt sich auf der Wiese Sihlmatte hinter der Gärtnerei Bacher. Aus diesem Grund heisst es auch Erschliessungsmöglichkeiten testen und verbessern. «Kantonale Stellen gaben uns den Hinweis, dass mit dem Üetlibergtunnel und der neuen A4 der Verkehr auf der Sihltalstrasse massiv zurückgehen werde», sagt Hochbauvorstand Thomas Oetiker. Darum sollten bereits jetzt die planungstechnischen Weichen richtig gestellt werden. Drei Firmen suchen nach Lösungen Für diesen planerisch sehr anspruchsvollen Teil der Ortsbildverbesserung hat die Gemeinde einen Wettbewerb ausgeschrieben. Alle Architekten aus Langnau und zusätzlich zwei auswärtige spezialisierte Büros haben eine Einladung zur Teilname am Präqualifikationsverfahren erhalten. Aufgrund der eingereichten Unterlagen wurden folgende Firmen beziehungsweise Teams beauftragt, konzeptionelle Lösungsvorschläge für die zukünftige räumliche Entwicklung des Studiengebietes zu erarbeiten: - Entrée Architekten und Ingenieure AG mit Planpartner AG (Architekten und Ortsplaner), Wepf und Wepf Ingenieure AG (Verkehr), Ryffel und Ryffel (Landschaftsarchitekten)
- Frei&Ehrensberger Architekten ETH/SIA/BSA, Zürich
- Herczog Hubeli Comalini mit Merlo (Verkehr) und Rotzler und Krebs (Landschaftsarchitekten)
Die Abgabe, Auswertung und Veröffentlichung der Arbeiten erfolgt in diesem Frühjahr. Der Gemeinderat wird dann zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einladen. Was bedeuten die Planungszonen? Der Kanton hat die Planungszonen aus folgenden Gründen erlassen: die Planungsarbeiten können durchgeführt und die planungsrechtlichen Grundlagen falls nötig angepasst werden, ohne dass neue Baugesuche bewilligt werden müssen, die das Projekt negativ beeinflussen würden. Der Gemeinderat hat bei solchen Baugesuchen die Möglichkeit, diese während maximal drei Jahren vorläufig einzustellen. Baugesuche ausserhalb dieser Fragestellung, und das werde die Mehrzahl sein, werden normal und gemäss den bestehenden Normen behandelt. Die Planungszonen will man so bald als möglich wieder aufheben. Quelle Sihltaler / Januar 2001
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