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September 2000 / Werkstattbericht des Gemeinderates

Im Anschluss an den öffentlichen Workshop vom 8. April 2000 zum Thema "Ortsbild" hatte der Gemeinderat - wie schon bekannt gegeben - der Firma InterUrban AG eine Marktanalyse in Auftrag gegeben und die Firma IGGZ (Institut für gesamtheitliche Gestaltung Zürich mit Sitz in Langnau) beauftragt, eine ortsplanerische Grundlagenerhebung für die weiteren Schritte zu erarbeiten. Anlässlich der diesjährigen Klausurtagung des Gemeinderates von Anfang September wurden nun die Resultate aus diesen Arbeiten detailliert erläutert. An einem ganztägigen, intensiven Workshop, der Teil der Klausurtagung war, verarbeitete der Gemeinderat zusammen mit den Fachleuten der genannten Büros diese Informationen und erarbeitete gemeinsame, grundsätzliche Zielvorstellungen über die Weiterentwicklung Langnaus. Auch wurden die nächsten Planungsschritte und die Art der Information und Weiterführung des Dialoges mit der Bevölkerung festgelegt.

Die IGGZ hatte - ihrem Namen gerecht werdend - auf gesamtheitliche und gründliche Weise viele Informationen über Langnau gesammelt. In einem ersten Teil fasste sie Geschichtliches und bestehende Meinungen und Ansichten zusammen. Als Basis dazu dienten u.a. auch Aussagen, die am erwähnten Workshop gemacht wurden. Die IGGZ schuf ein verbales Gesamtbild (eines Aussenstehenden) über die Bevölkerung, das Arbeiten und Wohnen in Langnau, Veranstaltungen, Ortsbilder, Verkehr, frühere Projekte, die Bautätigkeit in der Umgebung, die Meinungen über die Realisierbarkeit und Wünschbarkeit eines neuen Zentrums usw.

An diesem "Bild" erschien für den Gemeinderat besonders wichtig, dass von Vielen ein Dorfzentrum gewünscht wird. Dies auch - und erst recht - wenn in Zukunft das Einkaufen vermehrt auf dem Weg des Internets erfolgen wird (E-Commerce). Es stellte sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob Begegnung wirklich zwangsweise mit Konsum gekoppelt sein müsse. Gewünscht wird von der Bevölkerung aber trotzdem eine gute und breite Abdeckung des Tagesbedarfes.

Die Verkehrs- und Parkplatzfrage im Zentrumsbereich scheint ebenfalls Viele zu beschäftigen. Die alten, noch heute bestehenden, Gegensätze zwischen der Bevölkerung im Unter- und Oberdorf wurden einmal mehr zur Kenntnis genommen, ohne dass allerdings eine Sofortlösung sichtbar wäre.

In einem zweiten Informationsblock analysierte die IGGZ aufgrund vieler Spezialpläne den ortsplanerischen Ist-Zustand (Regionale Einbettung, Verkehr, Nutzung, Bebauung, Landschaftselemente, Situation auf dem Albis, Bauepochen, Bebauungsart und -dichte, Flächenzusammenhänge der Baumassigkeiten, ästhetische Bewertung der lokalen Erscheinungsbildqualitäten usw.). Aus diesen Informationen seien einige Aussagen aufgeführt:

Sehr wichtig ist die Topografie mit den Hanglagen und Plateaus, der Sihl und dem Dorfbach, den schönen und meist gut besonnten Wohnlagen. Das eigenständige und abgegrenzte Siedlungsgebiet Langnaus wird fast vollständig von Wiesen und Wäldern umrahmt. Die Luftqualität ist - nicht zuletzt wegen dieser Tatsache - sehr gut. Der Dorfbach stellt für die Dorfentwicklung einen nicht unproblematischen "Flaschenhals" dar.

Die optische Bebauungsdichte innerhalb des Siedlungsgebietes bleibt erstaunlicherweise immer sehr ähnlich, sei es in den Mehrfamilienhaus- oder Einfamilienhauszonen. Diese Wohngebiete sind ab und zu durchsetzt mit "Kleinkernen" mit Gewerbenutzung (Lädeli, Handwerksbetriebe etc.), was positiv gewertet wurde. Uneinheitliche optische Dichten ergeben sich vor allem entlang der neuen Dorfstrasse, die im ästhetischen Ortsbildkataster nicht gut wegkommt. Auch die Schwerzistrasse und der Raum um das Schwerzidreieck schneidet wegen den viel zu grossen, ungestalteten Verkehrsflächen negativ ab.

Zusammenfassend ist die sehr schöne, nahezu durchgehende Durchgrünung der Wohngemeinde Langnau als sehr positives Element hervorzuheben, die nur an wenigen Stellen (z.B. im Dorfzentrum an der Neuen Dorfstasse, an der Schwerzistrasse und in Bereichen östlich der Sihltalstrasse etc.) Lücken aufweist.

Verkehrstechnisch ist die Situation Langnaus gar nicht als schlecht zu beurteilen. Zwar wird immer wieder die hohe Verkehrsfrequenz an der Sihltalstrasse beklagt. Trotzdem kann festgestellt werden, dass das Hauptsiedlungsgebiet von den Durchgangsstrassen (Sihltalstrasse, Albisstrasse) "umfahren" wird und deshalb keine fast unlösbaren Probleme im Ortszentrum bestehen, wie dies beispielsweise in Adliswil der Fall ist. Lediglich für die Querverbindung "Neue Dorfstrasse - Schwerzistrasse", die in letzter Zeit vermehrt durch den Schleichverkehr vom Säuliamt auf die A 3 belastet wird, ist eine Lösung zu finden.

Aus diesem zweiten Informationsblock liessen sich, wie weiter unten ersichtlich wird, wesentliche Punkte für die Entwicklungsziele Langnaus ableiten.

Der dritte Informationsblock beinhaltete die Marktstudie der InterUrban AG. Diese wurde im Rahmen einer von der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ) initiierten Gesamtuntersuchung der Region Zimmerberg durchgeführt, welche die Konsumfragen regional unter die Lupe nimmt. Auslöser waren die geplanten neuen Einkaufszentren entlang der A3, die die Kaufkraft der Dörfer noch weiter zu untergraben drohten.

Untersuchungsgrundlage für die Marktstudie bildeten einerseits Felderhebungen und interne, speziell für den Detailhandel aufbereitete, statistische Daten sowie Marktdaten der InterUrban AG, andererseits wurde in jeder Gemeinde eine schriftliche Befragung der Detailhandelsanbieter durchgeführt. Im Folgenden sind die wichtigsten Kernsätze der Untersuchung aufgeführt.

Es wird ein "unterdurchschnittlicher Versorgungsgrad" mit steigender Tendenz konstatiert, eine "schwache Lokalversorgung im Alltagsbereich" kombiniert mit einer "Kompetenz im Gartenbau". Langnau besitzt eine überdurchschnittlich hohe Kaufkraft von 94 Mio. Franken. Der Kaufkraftabfluss - im wesentlichen nach Zürich - beträgt aber 65 Mio. Franken. Langnau besitzt ein Potenzial mit mässigem Flächenbedarf, hauptsächlich für den Non-Food Bereich. Hier kommt es auf eine gute Standortqualität und eine gute Anbieterkompetenz an. Für das Dorfzentrum wird eine wichtige Versorgungsfunktion festgestellt trotz Angebotsdefiziten im Non-Food Bereich. Heute genügt das Detailhandelsangebot in Langnau alles in allem den Bedürfnissen der Wohnbevölkerung nicht.

In der Studie werden folgende Feststellungen getätigt: "Am Freitag und Samstag werden 44% des Umsatzes generiert, womit im Ortszentrum nicht nur Ergänzungskäufe getätigt werden, sondern von einem Teil der Bevölkerung ein umfassendes Angebot erwartet wird". Nicht zuletzt aufgrund der Topografie und der räumlichen Verteilung wird eine starke Abhängigkeit von der Autoerreichbarkeit festgestellt. Die Kundschaft erzeugt pro Woche schätzungsweise 17-20’000 Autofahrten und benötigt in den Spitzenzeiten unter normalen Umständen bis zu 400 Parkplätze. Da effektiv weniger Parkplätze zur Verfügung stehen, ist die Aufenthaltsdauer sehr kurz. Dies führt zu einem "Ortszentrum mit geringer Aufenthaltsqualität." "Zwei zentrale Anliegen der Anbieter sind die Verbesserung des Branchen-Mixes und die Erhöhung des Parkplatzangebotes. Unzufrieden sind die Anbieter mit der Attraktivität für Fussgänger und der öffentlichen Standortwerbung." "Langnau bietet im Ortszentrum gute Standortvoraussetzungen für eine lokalorientierte Alltagsversorgung." "Handlungsbe-darf besteht beim Parkplatzangebot, beim Angebotsniveau, bei der Aufenthaltsqualität und nicht zuletzt bei der Kommunikation und Kooperation unter den Akteuren." Ohne Aktivitäten zur Weiterentwicklung sei das heutige Angebotsniveau mittelfristig kaum zu halten, es fehle im Verkaufsgewerbe an Zukunftsperspektiven u.a. auch wegen einer gewissen Überalterung. Synergien seien - besonders für Kleinläden - am besten bei einer gewissen Konzentration der Läden zu erreichen.

In einem vierten Informationsblock präsentierte die IGGZ verschiedene mögliche Entwicklungsszenarien, die dem Gemeinderat als Denkanstoss und Ansatz für die weitere Arbeit dienten. In Kleingruppen erarbeiteten die Räte vier, ihnen realistisch erscheinende Szenarien und leiteten aus diesen eine Synthese, ihre Zielvorstellung über die Entwicklung Langnaus für die nächsten fünf bis zehn Jahre ab.

Diese Zielvorstellungen geben eine grobe Richtung an und erheben heute noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gilt nun, diese weiter zu bearbeiten und insbesondere herauszuschälen, welche Elemente überhaupt und auf welche Art im Einflussbereich der Politik stehen.

Dies sind nun die Hauptpunkte:
  1. Langnau verstehen wir als qualitativ hochstehende Wohngemeinde im Grünen und sie soll als solche weiterentwickelt werden

  • Die Durchgrünung als eine Hauptqualität soll weiter gefördert werden.
  • Die Infrastruktur und die Dienstleistungen sind im Hinblick auf die prioritäre Wohnnutzung zu pflegen und zu verbessern.
  • Das Wohnungsangebot soll speziell gefördert werden. (siehe auch Punkt 5)

  • Eine gute Schule sowie Sport- und Freizeitmöglichkeiten gehören zwingend zu einer wohnwerten Gemeinde
  • Die dezentralen "Kerne" (Lädeli, Handwerksbetriebe etc.) beleben die Quartiere und sollen weiterbestehen.

2. Dorfplatz mit Einkaufsmöglichkeiten im Bereich COOP - Gemeindehaus

  • Ein Dorfplatz soll als Begegnungszentrum entstehen können
  • Läden mit genügend breitem Angebot und Qualität für die Lokalversorgung, insbesondere solche die die heute bestehenden Lücken füllen, sollen sich mehrheitlich um den Dorfplatz angliedern können.
  • Dazu sind genügend Parkplätze am richtigen Ort unumgänglich.

3. Die neue Dorfstrasse -Schwerzistrasse stellen eine verkehrstechnische und ästhetische Problemzone im Zentrum Langnaus dar

  • Die Verkehrssicherheit (Fussgänger, Velos, Autos etc.) soll verbessert werden.
  • Eine optische Aufwertung wird angestrebt
  • Dazu könnten eine Art Pförtneranlagen beim Schützenhaus und an der Sihltalstrasse dienen.

4. Ästhetische Verbesserungen entlang der Sihltalstrasse zur Verbesserung des Images von Langnau sind weiterhin notwendig

  • Anwohner und Hausbesitzer animieren, ihre Liegenschaften zu pflegen und zu verschönern
  • Verbesserungen im Rahmen von Punkt 5
  • "Eingangsportale" an den Dorfeingängen prüfen

5. Siedlungsbereich zwischen Sihltalstrasse und Sihl von Gontenbach bis Gattikon aufwerten

  • Nutzung und Baumassenverteilung planerisch neu ordnen und folgende Qualitäten anstreben:
  • Wohnen und neue Wohnformen (Lofts, Gruppenwohnungen, Wohnateliers etc.)
Gewerbe
  • Durchgrünung und Durchblicke
  • Durchwanderbarkeit
  • Lösen der Erschliessungsfragen im Bereich zwischen Sihlmatte und Gartendörfli

6. Networking und aktive Grundstückspolitik

  • Natürlich kann die Gemeinde viele dieser Punkte nicht in Eigenregie verwirklichen. Sie ist in weiten Bereichen auf Private, Unternehmer und Grundstücksbesitzer angewiesen. Als wichtiges Mittel strebt deshalb der Gemeinderat an, mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen und ein eigentliches Networking zu pflegen. Eine aktive Grundstückspolitik soll zudem bei günstigen Gelegenheiten die Zielverfolgung unterstützen.


Mit diesen sechs Punkten hat sich der Gemeinderat an der Klausurtagung konkrete Ziele für die Orts(bild)entwicklung gegeben, die bald auch im Dialog mit der Bevölkerung auf Richtigkeit, Qualität und Vollständigkeit überprüft werden müssen. Als Grundlage für einen solchen Dialog müssen aber wesentliche Punkte noch weiter verdeutlicht und konkretisiert werden.

So beabsichtigt der Gemeinderat für den Siedlungsbereich zwischen der Sihltalstrasse und der Sihl vom Gartendörfli bis zur Gattikonerbrücke - mit Einbezug der optischen Aufwertung der Sihltalstrasse - einen Gestaltungswettbewerb durchzuführen. Die Gestaltung der neuen Dorfstrasse - Schwerzistrasse soll das Thema für eine Semesterarbeit an einer Technischen Hochschule darstellen. Beide Projekte erachtet der Gemeinderat als wichtige Elemente zur Verdeutlichung seiner Zielsetzungen.

Diese sollen im Laufe des kommenden Winters über die Bühne gehen, so dass die Resultate der Planungsarbeiten, zusammen mit den Vorarbeiten der IGGZ und der Marktanalyse der InterUrban AG der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

Alle Teilnehmer des letzten öffentlichen Workshops und die ganze Bevölkerung werden dann eingeladen, auf Grund fundierter Unterlagen gemeinsam über die Zielvorstellungen für Langnau nachzudenken und Weichen zu stellen.



April 2000 / öffentlicher Workshop

Die etwa 60 Teilnehmer des Workshops vom 8. April hatten sich nach der Diskussionsrunde vom 20. Januar 2000 zum Thema Ortsbildverbesserung für einen eintägigen Workshop angemeldet. Die klar definierten Diskussionspunkte waren Fragen zum Ortsbild, zum Verkehr und zur Situation der Läden im eng begrenzten Bereich des Ortszentrums und, was das Erscheinungsbild betrifft, auch entlang der Sihltalstrasse.

Ziel des Tages sollte die Zusammenstellung eines mehr oder weniger realistischen Ideenstrausses zuhanden des Langnauer Gemeinderates sein, wie T. Oetiker eingangs formulierte. Trotz des verführerisch schönen Frühlingswetters fanden sich alle Angemeldeten pünktlich in der Schwerzi ein. Unter der Leitung von Herrn Schweingruber und in Anwesenheit des gesamten Langnauer Gemeinderates und von zwei Referenten wurde den ganzen Tag lang in Kleingruppen, im Plenum und mit Referaten gearbeitet.

Die erste Fragestellung betraf unser Bild der Zukunft von Langnau am Albis im Jahre 2010: welche Qualitäten, Eigenschaften, Grundprinzipien sollen dann unseren Ortskern prägen (bezüglich Ortsbild, Verkehr, Ladeninfrastruktur)? Was für ein Leben soll damit ermöglicht werden?

An acht Tischen liessen die Anwesenden ihre Wünsche laut werden und stellten sie anschliessend im Plenum den anderen Gruppen vor. Hier war die Vision gefragt, und es kamen ziem-lich weit auseinanderklaffende Ideen und Schwerpunkte heraus. Zum Beispiel: die Funktion der neuen Dorfstrasse als kürzeste Verbindung zwischen der A 3 und dem Säuliamt unterbinden, indem man die Strasse abriegelt; die Sihltalstrasse absenken und darauf ein neues Dorfzentrum schaffen; einen Spielplatz im Dorfzentrum bauen; eine Tiefgarage von der Sihltalstrasse her erschlossen realisieren; besseren öffentlichen Verkehr statt mehr Parkplätze; Shuttlebus statt Parkhaus; eine Begegnungszone schaffen; mehr Läden; Verkehrsfluss optimieren; den visuellen Eindruck entlang der Sihltalstrasse verbessern und weiteres.

Über die beizubehaltenden Qualitäten für das Jahr 2010 herrschte grosse Einhelligkeit: Beibehalten des dörflichen Charakters von Langnau am Albis; seine Identität pflegen; nicht zusätzlichen Verkehr von Auswärtigen anziehen; der Bedarf an Alltagsgütern soll im Dorf gedeckt werden können.

Motto: Das Gute beibehalten, das weniger Wünschenswerte verändern.

In einem Kurzreferat vermittelte Herr Kotz (Interurban) viele Erkenntnisse über die Gewohnheiten der heutigen Menschen. Das Einkaufen ist etwas Zentrales, man kann sogar behaupten, der Konsum sei ein Motor des Lebens eines Zentrums. Ungefähr ab 1975 lässt sich beobachten, dass die Konsumenten zu Zentren drängen, wo sie viele ihrer Wünsche bequem erledigen können. Gibt es so ein Zentrum, fühlen sich die Menschen "urban". Ein Zentrum ist gekennzeichnet von baulicher Dichte, publikumsorientierter Nutzung, hoher Fussgängerfrequenz und Belebtheit. Wo Grossverteiler sind, bei denen effektiv 70% der Ausgaben getätigt werden, können kleinere Läden vom Zulauf profitieren. Wichtig ist, dass sich die Läden nahe beieinander befinden und bequem erreichbar sind. Welches ist das Marktpotenzial von Langnau am Albis? Langnau am Albis hat hier eine kritische Grösse, es ist eher klein. So betrachtet genügt es fürs Überleben der Läden nicht, wenn nur die Langnauer hier ihren Tagesbedarf decken, sondern es braucht Konsumenten auch von auswärts.

In unserer Region gibt es die Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ), in der alle Bezirksgemeinden vertreten sind. Diese bemüht sich, zum Beispiel den Standort und die Ausgestaltung von neuen Einkaufszentren entlang der Autobahn zu steuern. Wollen die Langnauer langfristig gezwungen sein, die Mehrheit der Einkäufe mit dem Auto auswärts zu tätigen - oder gibt es andere Möglichkeiten? Zusammen mit den anderen Gemeinden sind die Konsumenten von Langnau am Albis eine Kraft, die beeinflussen kann, was in der Region passiert!

Mit diesen neuen Informationen wurde wieder in den Kleingruppen diskutiert. Jede Gruppe wählte von den eigenen Vorschlägen die Lieblingsvariante aus und versuchte diesmal wirklichkeitsnäher, herauszufinden, was einer Umsetzung im Wege stehen und wie das verändert werden könnte.

Als später die Gruppen im Plenum ihre Resultate vorstellten, zeigten sich erstaunlich viele Gemeinsamkeiten; die Zentrumsidee aus dem Vortrag von Herrn Kotz hatte eingeleuchtet. Wichtige Resultate jetzt: Langnau am Albis soll ein eigenständiges Dorf bleiben mit einem für die Langnauer attraktiven Dorfkern mit Dorfplatz, der auch Platz für eine grössere Musikgruppe bieten soll. Hier bleiben zwei Varianten: erstens: das Zentrum bleibt, wo es heute ist, erweitert sich aber über die Höflistrasse hinaus, die verkehrsfrei werden müsste, und bezieht eventuell einen Teil des heutigen Schulareals Widmer mit ein; oder zweitens: das Zentrum wird Richtung Bahnhof verschoben, wo über einer tiefer gelegten überdeckten Sihltalstrasse mit Einbezug des Bahnhofes und des Spinnereiareals ein neues Zentrum entstehen kann. Beide Varianten betonen die Bedeutung von Begegnung, Erholung und Kultur im Ortskern.

Langnau am Albis soll als Standort für die Grossverteiler interessant bleiben. Dadurch können die Langnauer langfristig ihren Tagesbedarf im Ort decken und es können sich andere, kleinere Anbieter im Schatten der Grossen niederlassen und überleben, wodurch eine Vielfältigkeit erhalten bleibt. Dafür ist das Finden einer guten Parkierungsmöglichkeit für Anlieferer und Konsumenten dringend. Der Gemeinde wird die Aufgabe des Schaffens von Rahmenbedingungen, des Verhandelns mit Gewerbe, Grossverteilern, Liegenschaftenbesitzern und weiteren Interessenten nahegelegt. Trotzdem soll bei bei den Läden der freie Markt spielen.

Obwohl eine gewisse Veränderung notwendig sein mag, ist es für die Anwesenden wichtig, dass Langnau am Albis seine heutigen Qualitäten nicht verliert, wie z.B.: folgende, nicht alle ganz ernst gemeinten Charakterisierungen zeigen: "Langnau am Albis, das grüne Dorf zwischen den Bären und dem Urwald" - "Lebhaftes Vereins- und Kulturleben" - "sehr gute Verkehrsverbindung zur Grossstadt Zürich, zur Stadt Adliswil, nach Thalwil" - "Die Leute begrüssen sich auf der Strasse" - "ideale Stadt-Land-Kombination"

Dann kam als weiterer Schwerpunkt der Schritt vom reinen Sandkastenspiel zu mehr Verwirklichungsnähe. Im Plenum wurde die Frage nach konkreten Strategien und Verantwortlichkeiten gestellt. Was geschieht mit den heute erarbeiteten Gedanken? Wer wird informiert? Welche Gesichtspunkte müssen berücksichtigt werden? Wird eine Arbeitsgruppe gegründet? Wo sind die Fachleute fürs weitere Vorgehen?

Um sich hier anregen zu lassen, konnten die Teilnehmer einen Blick auf zwei Nachbargemeinden unserer Region werfen: Wie machen sie es? Wie weit sind sie? Zwei Referenten berichteten von Wädenswil und von Adliswil. Herr Kotz erläuterte das Vorgehen von Wädenswil, in dessen Zentrum die Verkaufsläden eher ungünstig auseinandergezogen verteilt sind. Ausgangspunkt war das Projekt eines Einkaufszentrums an der Autobahn. Hier war der Stadtrat der Auftraggeber für eine Studie bezüglich Potenzial, Mix von Anbietern, Dichte, Ambiente, Flanierqualität, Schaffung guter Lagen. Mit den einzelnen Akteuren auf dem Markt wurden intensive Gespräche geführt, um deren Chancen herauszuschälen. Wädenswil erwägt nun die Einführung eines Parkierungsleitsystemes.

Herr Hotz, Stadtrat von Adliswil, machte einen Tour d’horizon über Projekte und Erreichtes aus den vergangenen Jahren. Das Thema der Ortskernstärkung als Antwort auf die Pläne neuer Einkaufszentren wurde, wie er berichtete, vor eineinhalb Jahren aufgegriffen. Er er-läuterte das Adliswiler Vorgehen, welches vor allem das Gewerbe einbezog und in einen umfangreichen "Massnahmenkatalog" mündete. Hier ist das grosse Thema die verkehrsreiche Strasse, die mitten durch die Stadt führt und der Einbezug des Sihlraumes. Es gibt rein optische Massnahmen, die sofort in Angriff genommen werden können nach entsprechenden Verhandlungen; eine Erhöhung der Fussgängersicherheit durch den Umbau der Albisstrasse, und ganz weitsichtige Projekte wie eine Umfahrung des Zentrums vom Sood aus mit einem Tunnel.

In der anschliessenden Plenumsdiskussion wurden aus den Fallbeispielen unter anderem folgende Schlüsse für Langnau am Albis abgeleitet: Der Gemeinderat soll die an diesem Workshop bearbeiteten Zukunftsfragen in Angriff nehmen. Dabei ist die Kommunikation mit der Bevölkerung und dem Gewerbe ist zentral. Langnau am Albis muss seine Optionen erkennen und nutzen. Die Aussenquartiere sollen eingebunden sein, und auch Anliegergemeinden wie z.B. Gattikon sollen kontaktiert werden. Es gibt kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen, die ihrem Stellenwert entsprechend behandelt und in Angriff genommen werden müssen. Es ist erwiesen, dass auch rein "kosmetische" Massnahmen sich positiv aufs Wohlbefinden der Bewohner auswirken.

Wie soll es nun weitergehen?
Der Gemeinderat, der sich natürlich immer wieder intensiv mit Planungsfragen und der Lebensqualität seiner Gemeinde befasst, nimmt die heute entstandenen Ideen dankbar in seine Überlegungen auf und versucht, sie auf die richtige Weise umzusetzen. Zunächst ist nach T. Oetiker eine professionelle Potenzialabklärung und das Gespräch mit bereits heute in Langnau am Albis anwesenden Läden und den Grossverteilern angezeigt. Das weitere Vorgehen aufgrund dieser Resultate könnte in der Durchführung eines Wettbewerbes bestehen, worüber der Gemeinderat aber noch beraten muss.

Die Anwesenden wünschen vom Gemeinderat über weitere Schritte auf dem laufenden gehalten zu werden und wären an zukünftigen Gelegenheiten zum Mitdenken interessiert. Deutlich wurde, wie vieles an Langnau am Albis gut ist, geschätzt wird und erhaltenswert ist und dass Möglichkeiten zu einer Veränderung genutzt werden können und sollen, damit Langnau am Albis handelt und sich behauptet und nicht durch Nichtstun seine Chancen verpasst.

PS: Der Gemeinderat hat an seiner Sitzung vom 18. April beschlossen, einen Auftrag zur Potentialerhebung zu erteilen. Damit sollen die Entwicklungsmöglichkeiten für die Gemeinde Langnau am Albis genauer definiert werden, um einen Anhaltspunkt zu erhalten, wie das weitere Vorgehen zu gestalten ist.




September 1999 / Initialisierung mittels Einwohnerumfrage

Der Gemeinderat hat als eines seiner Legislaturziele für die Amtsdauer 1998 - 2002 die Ortsbildverbesserung im Bereich der Sihltalstrasse genannt. Aufgrund der intensiven Diskussionen in der Region Zimmerberg über neue Einkaufszentren und über die notwendige Stärkung der gewachsenen Ortszentren gelangte der Gemeinderat zur Ansicht, dass der ursprünglich eng begrenzte Bereich weitergefasst und die Entwicklung des ganzen Dorfkernes und sogar des ganzen Dorfes umfassen sollte.

Im September 1999 wurde eine Einwohnerumfrage durchgeführt, welche die Bedürfnisse der Langnauerinnen und Langnauer bezüglich der Ortsbildverbesserung ans Tageslicht bringen sollte. Dabei standen die folgenden Fragen im Vordergrund:

  • Sind in Langnau weiterhin oder sogar vermehrt Läden, Gaststätten und Gewerbebetriebe erwünscht und welches sind die Bedingungen dazu (Autoverkehr, Parkierungsmöglichkeiten etc.)?
  • Oder wollen wir künftig vermehrt in (neu geplanten) Einkaufszentren ausserhalb Langnaus einkaufen (mit dem Auto) und dabei einen Krebsgang unserer Läden in Kauf nehmen?
  • Welches sind die Bedingungen für ein lebendiges Dorfzentrum und wie sind sie zu erhalten und zu fördern?
  • Gibt es auch Positives aus dem noch für längere Zeit massiven Autoverkehr auf der Sihltalstrasse zu ziehen?

Die Ergebnisse der Umfrage wurden anlässlich eines Informationsabends im Januar 2001 der Bevölkerung präsentiert. In einem Brainstorming konnten sich die Anwesenden dazu äussern, wo sie der Schuh drückt. Der Handlungsbedarf schien auf Grund der regen Beteiligung der Langnauerinnen und Langnauer ausgewiesen und so beschloss der Gemeinderat, in einem Workshop den Anliegen der Bevölkerung auf den Grund zu gehen.



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